Thyssen-Projekt „Manuskript, Buch, Makulatur“

Manuskript, Buch, Makulatur

Zur Materialität des Schreibens und Publizierens um 1800

 

logo_fritz_thyssen_stiftungGefördert von der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung (2013-2016)

Die fortschreitende Digitalisierung des Schreibens und Publizierens stellt Konzepte wie Autorschaft und geistiges Eigentum, Werk und Original ebenso in Frage wie das gedruckte Buch als integrales Medium der Literatur. Die teils erbitterten Debatten um den gegenwärtigen Wandel literarischer Kultur werden dabei erkennbar mit Argumenten und Begriffen der Umbruchzeit um 1800 geführt, ohne deren materiale Voraussetzungen eigens zu bedenken.

Das Forschungsprojekt untersucht die Materialität literarischer Praxis im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert – vom Manuskript über das gedruckte Buch bis zur Makulatur. Am Beispiel von Jean Paul, Georg Christoph Lichtenberg und Friedrich Nicolai, die sich in einem starken Maße und je unterschiedlich als Schreibende und „Büchermacher“ begriffen, werden die materialen Seiten des Schreibens und Publizierens um 1800 erstmals historisch und systematisch im Zusammenhang erforscht. Hierzu werden die veröffentlichten und nachgelassenen Schriften der drei Autoren innerhalb größerer diskursiver Konstellationen betrachtet.

Das Erkenntnisinteresse des Projekts gilt insbesondere den ästhetischen, poetologischen und juridischen Dimensionen sowie den kulturellen Implikationen der Materialität von Literatur. Gefragt wird unter anderem nach der Bedeutung von Schreibmaterialien in der literarischen Produktion, der Konstitution und Inszenierung von Autorschaft sowie dem Buch als Artefakt in verschiedenen Kontexten. Das Projekt erhellt zudem die vielfältigen Formen ‚sekundärer Materialität‘ in literarischen Texten.