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Tagung

Büchermachen – Zur Materialität des Publizierens in der europäischen Literatur um 1800

Interdisziplinäre Tagung
VHS Erlangen, Friedrichstraße 19, 91054 Erlangen

23.-24. April 2015

Die Materialität des Publizierens ist ein oft wenig beachteter, aber entscheidender Faktor in der europäischen Literatur um 1800. Literarische Produktion erweist sich als ein von der Handschrift über das gedruckte Buch bis hin zur Makulatur verlaufender Prozess des Büchermachens, der durchgehend von materialen Aspekten konditioniert wird.

Autorinnen und Autoren des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts antizipieren häufig den Druck ihrer Werke und richten Manuskripte und Texte auf diesen aus. Sie achten und reagieren auf Eingriffe in ihre Texte beim Büchermachen, etwa durch einen fehlerhaften Satz. Darüber hinaus beschäftigen sich viele Autorinnen und Autoren eingehend mit den ästhetisch-materialen, handwerklichen und künstlerischen Qualitäten ihrer gedruckten Werke (z.B. Format, Papier, Typographie, Illustration).

Das Büchermachen findet zugleich auf vielfältige Weise Eingang in literarische Texte, ob nun in Schreib- und Druckszenen, metafiktionalen Reflexionen oder anderen Konstellationen. Die Tagung fokussiert die je spezifische Materialität im Prozess des Büchermachens im Hinblick auf Praktiken des Schreibens und der Textproduktion sowie auf Autorschaftskonzepte und Werkpolitiken. Zudem gilt es, die ästhetischen, erzähltheoretischen, poetologischen und semantischen Potenziale des Büchermachens in literarischen Texten auszuloten. Unterschieden werden soll dabei zwischen der primären Materialität historisch indizierter Praktiken und der sekundären Materialität in ihrer Fiktionalisierung. Darüber hinaus fragt die Tagung nach methodischen Ansätzen, die geeignet sind, die Materialität des Publizierens in literaturwissenschaftliche Fragestellungen einzubeziehen, ohne sie a priori unter ein Primat des Textes zu stellen.

Tagungsprogramm (Download)

Tagungsprotokolle (Download)

Programm

Donnerstag, 23. April 2015

10.00 Uhr
Begrüßung

10.30 Uhr
URSULA RAUTENBERG (Erlangen-Nürnberg)
Materialität und Buchmedienkommunikation

11.30 Uhr
RÜDIGER NUTT-KOFOTH (Wuppertal)
Schillers Medienpolitik

12.30 Uhr
Mittagspause

14.00 Uhr
BERNHARD FISCHER (Weimar)
Cottas Damenkalender

15.00 Uhr
STEPHAN KAMMER (Tübingen)
Die Verbannung der Materialität aus den Kulturtechniken des Lesens und Schreibens 16.00 Uhr Kaffeepause

16.30 Uhr
TOBIAS FUCHS (Erlangen-Nürnberg)
Jean Pauls handgeschriebene Bücher

17.30 Uhr
URSULA RENNER (Duisburg-Essen) und HEINRICH BOSSE (Freiburg)
Schreibszenen – Schriftszenen

Freitag, 24. April 2015

09.00 Uhr
DIRK NIEFANGER (Erlangen-Nürnberg)
Johann Rists „Depositio Cornuti Typographici“ – ein Drama über Buchdruckerkunst als Buch

10.00 Uhr
CARLOS SPOERHASE (Berlin)
Bogenweise schreiben

11.00 Uhr
Kaffeepause

11.30 Uhr
MAGNUS WIELAND (Bern)
Der Satz der Sätze: Praxis und Poesis des Schriftsetzers

12.30 Uhr
CORNELIA ORTLIEB (Erlangen-Nürnberg)
Schachtel, Blume, Uhr: Stéphane Mallarmés Buch-Basteleien

13.30 Uhr
Mittagspause

14.30 Uhr
ANNETTE GILBERT (Berlin)
Bücher, nicht Texte. Publizieren als Modus literarischer Produktion